Nachrichten

    8,50 Euro Mindestlohn - die Kaufkraft steigern!

    Mindestlohn

    8,50 Euro Mindestlohn - die Kaufkraft steigern!

    11.07.2013 | Im Job alles geben – und trotzdem wenig dafür bekommen: In unserem Bezirk arbeiten viele Menschen für einen Niedriglohn. Sie verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Pestel-Institut in Hannover. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus untersucht, welche positiven Effekte ein gesetzlicher Mindestlohn für die heimische Wirtschaft hätte: „Die Kaufkraft in Pforzheim würde um 29,8 Millionen Euro pro Jahr steigen. Vorausgesetzt, jeder Beschäftigte verdient künftig mindestens 8,50 Euro pro Stunde“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Der Leiter der Mindestlohn-Studie erwartet, dass der Zuwachs an Kaufkraft nahezu eins zu eins in den Konsum gehen würde.

    Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind die Ergebnisse der Studie ein klares Argument für die sofortige Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro. Beide Gewerkschaften hatten die Untersuchung in Auftrag gegeben. „Wer den ganzen Tag arbeitet, muss mit dem, was er verdient, auch klarkommen können. Das klappt aber nicht, wenn Dumpinglöhne gezahlt werden. Und ein Dumpinglohn ist alles unter 8,50 Euro pro Stunde“, sagt die Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks Mittelbaden-Nordschwarzwald, Susanne Wenz.

    Niedriglöhner seien gezwungen, kürzer zu treten und Verzicht zu üben. „Sie können am Leben nicht richtig teilnehmen. Das fängt schon beim Bus- und Bahnticket an. Für Ausflüge und selbst für Verwandtenbesuche reicht das Geld oft nicht. Genauso wie fürs Kino oder Schwimmbad“, sagt Susanne Wenz. Ein Niedriglohn bedeute automatisch „eine Lebensqualität dritter Klasse“.

    Das zeige sich ganz besonders beim Einkauf: „Wer von einem Niedriglohn lebt, für den sind die Käse- und die Frischfleischtheke im Supermarkt tabu. Bei Lebensmitteln kommen dann nur Sonderangebote und Billigprodukte in Frage. Am besten reduzierte Ware: Zweite-Wahl-Produkte oder Sachen kurz vor dem Ablaufdatum. Geringverdiener sind gezwungen, jeden Cent zweimal umzudrehen“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Mittelbaden-Nordschwarzwald, Elwis Capece.

    NGG und ver.di werfen Lohndumping-Arbeitgebern vor, sie würden sich ihre „Geiz-Löhne“ vom Steuerzahler subventionieren lassen. „Nämlich dann, wenn Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Teilzeit- oder Vollzeitjob haben, aber so wenig verdienen, dass der Staat mit Hartz IV drauflegen muss. Das ist dann quasi staatlich subventioniertes Lohndumping. Solche Arbeitgeber sind schlichtweg unanständig“, so Elwis Capece.

    Heftige Kritik üben ver.di und NGG an der schwarz-gelben Bundesregierung: „CDU/CSU und FDP sind die ‚Mindestlohn-Bremsen’. Die Wahrheit ist, beide – Union und Liberale – wollen keinen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn. Vor der Bundestagswahl nicht. Und nach der Bundestagswahl erst recht nicht“, sagt ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Susanne Wenz. Das von Teilen der schwarz-gelben Koalition geforderte Modell, für unterschiedliche Regionen und unterschiedliche Branchen unterschiedliche Mindestlöhne einzuführen, sei eine „Farce und von vornherein zum Scheitern verurteilt“. Dies komme einem „Lohn-Flickenteppich“ gleich und sei „reine Augenwischerei“.

    „Kein Mensch wird eine ‚Republik der 1000 Mindestlöhne’ je überblicken, geschweige denn kontrollieren können. Ganz abgesehen davon, dass viele Unternehmer nicht einmal bereit sein werden, sich mit den Gewerkschaften an einen regionalen Verhandlungstisch zu setzen“, so Elwis Capece von der NGG-Region Mittelbaden-Nordschwarzwald. Damit sei klar, dass dies sogar zu einem „Mindestlohn-Flickenteppich mit vielen Löchern“ führen werde. NGG und ver.di appellieren an alle Beschäftigten, die in Pforzheim zu einem Niedriglohn arbeiten, diesen online beim Dumpinglohnmelder (www.dumpinglohnmelder.de) anzuzeigen. Die beiden Gewerkschaften wollen so noch vor der Bundestagswahl die „Deutschland-Billiglohn-Landkarte“ vervollständigen.

    Studienergebnisse

    • Raum Karlsruhe
      Studie: 77.720 Menschen arbeiten im Raum Karlsruhe für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: Im Raum Karlsruhe würde Kaufkraft um 187,2 Mio. Euro steigen

    • Baden-Baden
      Studie: 5.810 Menschen arbeiten in Baden-Baden für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: In Baden-Baden würde Kaufkraft um 15,1 Mio. Euro steigen

    • Enzkreis
      Studie: 20.280 Menschen arbeiten im Enzkreis für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: Im Enzkreis würde Kaufkraft um 39,4 Mio. Euro steigen

    • Kreis Calw
      Studie: 16.240 Menschen arbeiten im Kreis Calw für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: Im Kreis Calw würde Kaufkraft um 33,7 Mio. Euro steigen

    • Kreis Freudenstadt
      Studie: 13.150 Menschen arbeiten im Kreis Freudenstadt für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: Im Kreis Freudenstadt würde Kaufkraft um 28 Mio. Euro steigen

    • Kreis Rastatt
      Studie: 26.920 Menschen arbeiten im Kreis Rastatt für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: Im Kreis Rastatt würde Kaufkraft um 64,6 Mio. Euro steigen

    • Pforzheim
      Studie: 11.800 Menschen arbeiten in Pforzheim für einen Niedriglohn
      8,50 Euro Mindestlohn: In Pforzheim würde Kaufkraft um 29,8 Mio. Euro steigen
    8,50 Euro Mindestlohn - die Kaufkraft steigern! ver.di 8,50 Euro Mindestlohn - die Kaufkraft steigern!