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    Verkehrsbetriebe Karlsruhe sperren Beschäftigte aus

    #tvn2020

    Verkehrsbetriebe Karlsruhe sperren Beschäftigte aus

    Tarifkonflikt wird ohne Not auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen
    Tarifrunde TV-N BaWü 2020 ver.di Umsteigen  – Tarifrunde TV-N BaWü 2020

    Nachtrag: Fahrzeuge fahren morgen in Karlsruhe
    Heute Abend ist es ver.di gelungen, die Notdienstvereinbarung mit der VBK so zu ergänzen, dass der Fahrbetrieb am Freitag wieder aufgenommen werden kann.


    Heute hat ver.di einige Bereiche der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) zum Warnstreik aufgerufen, da es immer noch kein Angebot der Arbeitgeber im Tarifkonflikt im ÖPNV Baden-Württemberg gibt.

    Dies ist ein unangekündigter Warnstreik, der in folgenden Bereichen stattfindet: Leitstelle, Funkwagen, Fahrstrom, Unterflurdrehmaschine, Wagenbau und Schienenfahrzeugrevision

    ver.di hat bei den letzten Warnstreiks bewusst den Fahrdienst nicht aufgerufen, so auch heute in Karlsruhe. ver.di will damit die Bevölkerung, insbesondere Schülerinnen und Schüler, so wenig wie möglich belasten.

    Die Geschäftsführung der VBK hat heute Morgen nun den Beschluss gefasst, alle Fahrzeuge einfahren zu lassen und damit den Betrieb einzustellen, begründet wird dies mit Sicherheitsbedenken.

    „Die VBK eskaliert hier auf dem Rücken ihrer Fahrgäste. Wir wollten genau das verhindern“, so Thorsten Dossow Geschäftsführer von ver.di Mittelbaden-Nordschwarzwald.

    Dossow war heute Morgen selbst zwischen 5:30 und 7:00 Uhr in den Bereichen vor Ort. Alle Beschäftigten hatten ihm signalisiert, mit der bestehenden Notdienstvereinbarung den Betrieb aufrechterhalten zu können. In der Leitstelle hat die Gewerkschaft deshalb sogar die Personenzahl um eine weitere Person aufgestockt.

    Die Fahrerinnen und Fahrer werden ab heute Mittag 12:00 Uhr bis Samstag 4:00 Uhr freigestellt – mit der Androhung, kein Gehalt von Seiten der VBK zubekommen.

    Andreas Schackert, ver.di Verhandlungsführer: „Die Aussperrung der Fahrerinnen und Fahrer ist eine massive Provokation. Während wir versuchen, den Tarifkonflikt zu deeskalieren, ziehen die Arbeitgeber die schärfste und umstrittenste Waffe im Arbeitskampf. Wir werden die Beschäftigten in dieser Situation nicht schutzlos ihrem Arbeitgeber aussetzen.“

    ver.di hat der Personalchefin der VBK signalisiert, jederzeit Gesprächsbereit zu sein, um bei der Notdienstvereinbarung nach zu steuern.

    Sollte die VBK dennoch an der Aussperrung festhalten, werden die Fahrerinnen und Fahrer morgen früh ihre Arbeitskraft anbieten, um ihrem Arbeitgeber und der Bevölkerung zu signalisieren: Wir sind bereit zu fahren.

    In den Tarifverhandlungen am 16. September für die rund 6.400 Beschäftigten im kommunalen ÖPNV hatten die Arbeitgeber zum Abschluss der Gespräche in Stuttgart statt einem Angebot zwei Seiten mit Vorschlägen für Verschlechterungen des Tarifvertrages vorgelegt. Damit sollen die Forderungen von ver.di gegenfinanziert werden. ver.di hatte den KAV aufgefordert, diese Liste bis zum Dienstag zurückzunehmen und in konstruktive Gespräche einzusteigen.

    Die Gewerkschaft will für die rund 8.600 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr in Baden-Württemberg (TV-N und RNV) unter anderem Entlastungstage, deutlich bessere Überstundenregelungen sowie die Anhebung des Urlaubsgeldes erreichen. Im TV-N geht es daneben auch um kürzere Arbeitszeiten, bei der RNV um die Aufwertung der gewerblichen Berufe.

    In Baden-Württemberg gilt der TV-N für rund 6.400 Beschäftigte in sieben kommunalen Verkehrsbetrieben in Stuttgart, Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg, Konstanz, Esslingen und Heilbronn. Der Haustarifvertrag bei der RNV gilt für 2.200 Beschäftigte in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen. Insgesamt werden in den acht Verkehrsunternehmen weit über eine Million Kundinnen und Kunden pro Tag befördert.

    ver.di hat zeitgleich den VKA zu bundesweiten Verhandlungen für mehr als 87.000 Beschäftigte in kommunalen ÖPNV-Unternehmen aufgefordert, auch um bundeseinheitliche Standards durchzusetzen. Dies hat die VKA am vergangenen Wochenende abgelehnt. Auch hier droht nun ein Tarifkonflikt.

    Schon seit Jahren herrscht – auch aufgrund der hohen Belastung durch die Verantwortung am Steuer und den Schichtdienst - massiver Fachkräftemangel in der Branche, insbesondere Busfahrer*innen werden überall dringend gesucht. Bis 2030 werden bundesweit rund 100.000 neue Beschäftigte benötigt.