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    Whistleblowing

    Ausstellung

    Whistleblowing

    Zivilcourage zeigen!

    Licht ins Dunkel bringen!
    Zivilcourage zeigen!

    Ausstellung vom 17.06.2013 bis 05.07.2013 im ver.di-Haus

    Whistleblower sind Menschen die illegales Handeln, Missstände oder Gefahren für Mensch und Umwelt nicht länger schweigend hinnehmen, sondern aufdecken. Sie tun dies intern innerhalb ihres Betriebes, ihrer Dienststelle oder Organisation und letztendlich auch extern gegenüber Dritten, zuständigen Behörden oder auch der Presse.

    Die Whistleblowerin oder der Whistleblower zeigt Zivilcourage und Pflichtbewusstsein, deckt Missstände auf und handelt zum Teil aus moralischen, ethischen oder religiösen Gewissensgründen. Von denjenigen, die versuchen, Missstände zu vertuschen oder einfach nur ihre Ruhe haben wollen, werden Whistleblower oft als Nestbeschmutzer oder Denunzianten beschimpft. Ihnen wird vorgeworfen, sie handelten aus persönlichem Vorteil, Renommiersucht oder Illoyalität gegenüber Arbeitgebern und Kollegen.

    Leider gibt es in der deutschen Sprache keine geeignete Übersetzung für “Whistleblower”, deshalb wird meistens der englischsprachige Begriff verwendet. Begriffe wie „Hinweisgeber“ oder „Informant“ sind unzulänglich. Der Begriff und das Phänomen „Whistleblowing“ sind in den USA und Großbritannien seit langem bekannt. Dort gibt es Organisationen und Gesetze, die Whistleblower unterstützen und schützen. In Deutschland nimmt das Bewusstsein um die Bedeutung von Whistleblowing zu. Zivilcourage ist für eine auf ethischen Werten basierende Zivilgesellschaft ebenso wichtig wie für eine transparente, nachhaltige Wirtschaft in einem demokratischen Staat.

    Traurige Berühmtheit als Whistleblower hat nicht zuletzt der US-amerikanische Soldat Bradley Manning erreicht. Er hat Informationen an die Internetplattform WikiLeaks weitergegeben, darunter die Bilder von einem Helikopter-Angriff auf Zivilisten im Irak, untersetzt von den höhnischen Kommentaren der Piloten und Bordschützen. Dafür, dass er schlimmste Menschenrechtsverletzungen durch US-Militärs an die Öffentlichkeit gebracht hat, wird ihm derzeit in den USA der Prozess gemacht.

    Auch bei uns sind Whistleblower zumeist auf sich alleine gestellt. Oft erfahren sie weder persönliche Unterstützung noch gesellschaftliche Anerkennung. Wer den Mund aufmacht, riskiert Ausgrenzung und Mobbing durch Vorgesetzte und Kollegen, mangels klarer rechtlicher Regelungen oft auch die berufliche Existenz. Das muss anders werden.

    Erfahren Sie mehr zu dem Thema und besuchen Sie die Ausstellung!
     

    Whistleblowerin Irma Kreiten

    Irma Kreiten (geb. 1977 in Pforzheim) hat in Leipzig, Thessaloniki und Tübingen Geschichte und Ethnologie studiert. Nach ihrem Magisterabschluß an der Universität Tübingen im Jahr 2004 war sie von 2005-2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Tübinger Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen“ angestellt, wo sie die schleichende Militarisierung der deutschen Geisteswissenschaften unmittelbar miterlebte.

    Obwohl ihr Forschungsvorhaben formal genehmigt wurde, geriet sie mit ihrem Projekt zur Erforschung des weitgehend unbekannten Völkermords an den Tscherkessen unter massiven Druck. Ihr wurde u.a. nahegelegt, auf die Untersuchung genozidaler Gewalt zu verzichten und keine Kontakte zu den Nachkommen der Überlebenden aufzunehmen. Sie wurde gedrängt, sich auf die Perspektive der Täter einzulassen und die Geschichte der militärischen Nutzbarmachung von Völkerkunde aufzuarbeiten. Hierbei spielten auch personelle Überschneidungen mit militärischen Einrichtungen und Kontinuitäten nationalsozialistischer Großforschungsprogramme in Forschungsvorhaben der Bundesrepublik eine Rolle.

    Nachdem sie sich weigerte, Kolonialgewalt zu verharmlosen und die Verbrechen an den Tscherkessen zu leugnen, wurde sie von der Leitung des Sonderforschungsbereichs gemobbt, für ihr Forschungsprojekt vorgesehene Gelder wurden einbehalten. Als sie 2008 die von ihr beobachtete fehlende Autonomie des Sonderforschungsbereichs und das Thema gesellschaftlicher Verantwortung in der Wissenschaft anzusprechen versuchte, wurde ihr von Seiten der Universität mit juristischen Schritten gedroht.

    Über die Behinderung ihres Forschungsprojektes, Eingriffe in ihre Forschungsfreiheit und die verdeckte Einbindung geisteswissenschaftlicher Forschung an der Universität Tübingen in militärische Interessenkomplexe hat sie über viele Jahren nicht sprechen können, auch wegen der daraus entstandenen gesundheitlichen und beruflichen Beeinträchtigungen.

    Erstmals hat sie sich im November 2012 in einem Gespräch mit German Foreign Policy über ihre Diskriminierung und über Wissenschaftsfreiheit öffentlich geäußert:

    Die persönlichen Auswirkungen dieser fehlenden Wissenschaftsfreiheit hat sie im März
    diesen Jahres in einem Artikel in der Wochenzeitung Freitag geschildert:

    Irma Kreiten lebt seit 2009 in Istanbul. Sie hat an der Yeditepe-Universität unterrichtet und arbeitet eng mit zivilgesellschaftlichen Initiativen der nordkaukasischen Minderheit in der Türkei zusammen.

    Kontakte:
    dietrich.schulze@gmx.de
    http://stattweb.de/files/DokuKITcivil.pdf

    irmakreiten@gmail.com
    http://soton.academia.edu/IrmaKreiten

    Whistleblowing ver.di Bezirk Mittelbaden-Nordschwarzwald Whistleblowing