Coronavirus/COVID-19

    Gedanken zum Nachdenken in Zeiten von Corona

    Coronavirus

    Gedanken zum Nachdenken in Zeiten von Corona

    von Holger Egger, Bezirksvorsitzender Mittelbaden-Nordschwarzwald
    Holger Egger Nadine Kernchen Holger Egger  – Bezirksvorsitzender Mittelbaden-Nordschwarzwald


    Gedanken zum Nachdenken in Zeiten von Corona


    1. These: Wir befinden uns in einer massiven weltweiten Krise

    • Welche Schlüsse ziehen wir daraus?
    • Diese Pandemie führt uns vor Augen, dass die Globalisierung vor keinem auch noch so kleinen Ort der Erde Halt macht!
    • Rein nationale Entscheidungen verhindern die Krise nirgendwo!

    2. These: Das wichtigste Gut ist die Gesundheit

    • Der Gesundheit wird alles Andere untergeordnet.
    • Selbst Einschränkungen der Grundrechte werden in Kauf genommen.
    • Eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung trägt die von der Politik getroffenen Entscheidungen mit.

    3. These: Der wichtigste Wert ist die Solidarität

    • Nur durch Solidarität und Zusammenhalt werden Leben gerettet.
    • Solidarität und Zusammenhalt werden – trotz erforderlicher Distanz – von der übergroßen Mehrheit der Menschen gelebt.

    4. These: Es gibt systemrelevante Bereiche
    Damit die Gesellschaft in dieser Krise funktioniert und das oberste Ziel, nämlich Gesundheit für möglichst viele erreicht werden kann, müssen einige Bereiche unbedingt am Laufen gehalten werden:

    • Das Gesundheitssystem an vorderster Stelle
    • Der Pflegebereich
    • Die staatlichen und kommunalen Institutionen
    • Der Handel und die Logistik
    • Die Telekommunikation und die Post
    • Der öffentliche Verkehr
    • Die Sozialeinrichtungen und Sozialversicherungen
    • Die Banken und Versicherungen
    • Die Ver- und Entsorgung

      Die Aufzählung ist nicht vollständig, aber, wenn man die Felder betrachtet, dann sind dies fast alles Bereiche, die von ver.di organisiert werden!

    Was können wir in dieser weltweiten Krise feststellen?

    • Die Demokratie ist in der Lage, sich einer solchen Krise zu stellen. Siehe Zustimmung in der Bevölkerung zu von den Regierungen getroffenen Maßnahmen.
    • Die Gefahr zur Errichtung einer Diktatur ist virulent. Siehe Lage in Ungarn.
    • Die Mechanismen der kapitalistischen Marktwirtschaft gelten: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Siehe Kosten für Schutzausrüstungen.
    • Solidarisches Verhalten wird von einer großen Mehrheit für gut befunden und gelebt. Siehe Meinungsbefragungen und Verhalten der Menschen.
    • Schlecht bezahlte Jobs sind auf einmal systemrelevant und überlebenswichtig. Siehe beispielhaft Pflegebereich und Einzelhandel.
    • Die Politik ist in der Lage, innerhalb kürzester Zeit soziale Rettungsschirme aufzuspannen. Siehe Kurzarbeitergeld und Hilfen für Soloselbständige.
    • Die Schuldenbremse wird außer Kraft gesetzt. Siehe Finanzvolumen der Rettungsschirme.
    • Die Einigung Europas steht auf der Kippe. Siehe Diskussionen über Euro-Bonds.
    • Es gibt Grundbedürfnisse, die sichergestellt werden müssen, z.B. Wohnen. Siehe besonderen Schutz vor Mietkündigungen.

      … die Liste ist noch lange nicht zu Ende!

    Welche Fragen und Chancen, aber auch Risiken ergeben sich daraus für uns?

    • Ist unsere Demokratie auch nach der Krise gefestigt?
    • In wie weit kehrt nach der Krise der Egoismus zurück und verdrängt die Solidarität?
    • Gibt es Bereiche, die dem Marktmechanismus entzogen werden müssen?
    • Gehört zuvorderst das Gesundheitswesen dazu?
    • Wie organisieren wir als Gemeinwesen Grundbedürfnisse wie z.B. Wohnen und Mobilität neu?
    • Können wir als Gewerkschaften Verbesserungen in den systemrelevanten Bereichen wie Pflege und Handel tatsächlich durchsetzen?
    • Kann prekäre Beschäftigung wirksam zurückgedrängt werden?
    • Gelingt es uns als Gewerkschaften die neuen Arbeitsformen mitzugestalten und mitzubestimmen?
    • Ist es möglich, ein Stück der eingetretenen Entschleunigung in die Arbeitswelt einzubauen oder wird sich der bisherige Arbeitsdruck sogar noch weiter verstärken?
    • Wird es uns gelingen, Europa neben der Wirtschafts- und Währungsunion auch zu einer Sozialgemeinschaft zu machen?
    • … auch diese Liste ist noch lange nicht zu Ende!

    Die Gedanken sollen zum Nachdenken und späteren Handeln animieren.

    Freudenstadt, Ostern 2020
    gez. Holger Egger