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    ver.di bereitet sich auf Zuspitzung im Herbst vor

    Privates Omnibusgewerbe BaWü

    ver.di bereitet sich auf Zuspitzung im Herbst vor

    Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe
    Demo vor der Diakonie in Berlin: Tür auf für Tarifverträge Astrid Sauermann ver.di bereitet sich auf Zuspitzung im Herbst vor


    Tarifverhandlungen im privaten Omnibusgewerbe zum sechsten Mal ohne Ergebnis

    Im Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe in Baden-Württemberg fand heute ein sechster und vorerst letzter Termin zwischen ver.di und WBO statt, um noch vor den Sommerferien eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu finden. Ein Ergebnis wurde auch heute nicht erreicht. Die Verhandlungen sollen aber Ende September fortgesetzt werden. ver.di wird in den kommenden Wochen vor Ort in den Betrieben das Gespräch mit den Beschäftigten suchen und sie auf eine Zuspitzung des Tarifkonflikts im Herbst vorbereiten.

    Hanna Binder. ver.di Verhandlungsführerin: „Beim Hauptstreitpunkt, der Bezahlung der Standzeiten, sind wir noch weit von einer Einigung entfernt. Wir haben heute erneut klar gemacht, wo unsere rote Linie ist. Es sieht leider so aus, dass ohne weiteren Druck aus den Betrieben eine Einigung nicht möglich ist. Darauf bereiten wir uns in den nächsten Wochen vor.“

    In den baden-württembergischen Sommerferien wird es nur Arbeitsniederlegungen ohne gravierende Auswirkungen auf den Fahrdienst geben. Die Verhandlungen werden am 21. und 22. September fortgesetzt.

    Binder: "Nach den Sommerferien können wir längere Arbeitsniederlegungen beim jetzigen Verhandlungstand aber leider nicht ausschließen."

    Weitere Informationen:

    In den Manteltarifverhandlungen für das private Omnibusgewerbe zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband von Baden-Württemberg WBO fanden mit heute bisher sechs Verhandlungsrunden statt. ver.di fordert unter anderem eine Pausenregelung nach dem Arbeitszeitgesetz, eine Vereinheitlichung der Sonntags- und Nachtzuschläge auf höherem Niveau sowie die Aufnahme von Verhandlungen für eine betriebliche Altersvorsorge. Nachdem die Arbeitgeber in der dritten Runde kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hatten und weiterhin auf einer Absenkung der Jahressonderzahlung beharren, hatte die Tarifkommission beschlossen, zu ersten Warnstreiks aufzurufen. Nach der vierten Verhandlungsrunde fanden begleitend zur Urabstimmung weitere Warnstreiks statt. Bei der Urabstimmung hatten sich 97,9 Prozent der zur Abstimmung aufgerufenen Mitglieder für Arbeitskampfmaßnahmen zur Durchsetzung der Forderungen ausgesprochen. Damit wäre der Weg auch für längere und unbefristete Arbeitsniederlegungen grundsätzlich frei.

    Gestreikt wurde in Reutlingen, Tübingen, Güglingen, Bietigheim-Bissingen, Ettlingen und Karlsruhe, Tuttlingen, Göppingen, Geislingen, Esslingen, Böblingen, Waiblingen, Hochstetten, Neuenstadt (Kocher), Bernhausen, Waghäusel, Bruchsal, Schwäbisch Hall, Ludwigsburg, Weissach, Marbach, Backnang, Murrhardt, und Sachsenheim statt.

    Fahrer*innen müssen in etlichen Betrieben 3 bis 4 oder mehr Stunden Pause pro Schicht nehmen. Die Schichten sind bisweilen sogar länger als zehn oder gar zwölf Stunden. ver.di erwartet, dass die Rechtsprechung von 2016 endlich in den Betrieben umgesetzt wird, nach der mehr als eine Stunde unbezahlter Pausenzeit innerhalb einer Schicht regelmäßig unzulässig ist. „Das ist seit fünf Jahren geltendes Recht. Dass wir darüber überhaupt verhandeln müssen, ist bitter. Die Arbeitgeber wissen das und fordern selbst auch eine Aktualisierung der Pausenregelung – allerdings mit dem Ziel, die gängige Praxis weitgehend zu legalisieren, anstatt den Fahrerinnen und Fahrern die Schichtzeit samt Standzeiten zu bezahlen“, so Binder.

    Betroffen sind von den Verhandlungen rund 9.000 Fahrerinnen und Fahrer der privaten Omnibusunternehmen in ganz Baden-Württemberg.

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