Gesundheit und Soziales

    Keine Unterstützung

    Pflegekammer BaWü

    Keine Unterstützung

    Warum eine Pflegeberufekammer die beruflich Pflegenden nicht unterstützt, sondern zusätzlich belastet
    Pflegekammer Schleswig-Holstein ver.di Warum eine Pflegeberufekammer die beruflich Pflegenden nicht unterstützt, sondern zusätzlich belastet  – Pflegekammer BaWü


    Pflege ist eine hochprofessionelle Tätigkeit und leistet einen wichtigen, eigenständigen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung.

    Fast alle beruflich Pflegenden sind abhängig Beschäftigte in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Sozialstationen. Die Verantwortung für die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in diesen Betrieben haben die Träger dieser Einrichtungen. Sie müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit professionelle Pflege erbracht werden kann. Dazu gehören die Arbeitsorganisation einschließlich der Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen, das Qualitätsmanagement und das Ermöglichen von weiterer Qualifizierung. Die Rahmenbedingungen sind allerdings auch geprägt durch unzureichende externe Vorgaben wie Personalschlüssel, Fachkraftquoten und Refinanzierungsbedingungen. Diese schränken die Qualität der Versorgung massiv ein.

    Denn die Qualität der Pflege ist unweigerlich damit verbunden, ob z.B. ausreichend Pflegende beschäftigt werden, ob diese für Weiterbildungen freigestellt und von ihren Arbeitgebern zumindest finanziell unterstützt werden? Die Pflegenden müssen sich nach den Anweisungen ihrer Arbeitgeber und im Rahmen der Bedingungen bewegen, die ihnen vorgegeben sind.

    Das Verhalten der Pflegenden ist durch viel Verantwortungsbewusstsein geprägt. Reichen die Rahmenbedingungen für eine verantwortungsvolle Pflege nicht aus, weisen sie in Gefährdungsanzeigen ihre Arbeitgeber auf die Probleme hin. Oft verzichten sie auf ihre Pausen, erbringen regelmäßig Überstunden und springen an freien Tagen, um die Auswirkungen der schlechten Verhältnisse gegenüber den Patient*innen abzufedern. Und trotzdem sind sie regelmäßig zeitlich nicht in der Lage, alle notwendigen Pflegeleistungen erbringen zu können. Eine Situation, die viele Pflegefachpersonen aus dem Beruf treibt.

    Sie sind zudem in Bezug auf ihre Verantwortung und Ausbildung unterbezahlt, gehen vorzeitiger in Rente und sind länger arbeitsunfähig als der Durchschnitt der Arbeitnehmer*innen.

    Mit einer Pflegeberufekammer würde eine Institution geschaffen, die keinerlei Einfluss auf Rahmenbedingungen hätte. Diese sind auch nicht das Ziel von Kammern. „Pflegeberufekammern
    entstehen, wo der Staat die Aufgabe, zu entscheiden, wie Pflege erbracht wird, an die Berufsgruppe der Pflegenden übertragen hat. Die Kammern vertreten die Interessen von Bürgerinnen und Bürgern.“

    Pflegeberufekammern sind keine Institutionen für die Pflegenden. Sie kontrollieren diese mit einer Berufsordnung, einer Weiterbildungsordnung und mit Sanktionen bei Nichtbeachtung der Vorgaben. Alles zusätzliche Anforderungen an die Pflegenden, nachvollziehbar für die freien Berufe, allerdings nicht für die abhängig beschäftigten Pflegepersonen, die auch noch dafür bezahlen müssen (Pflichtmitgliedsbeiträge für die Pflegeberufekammer), dass die Qualität ihrer Arbeit von einer weiteren Institution überwacht und reguliert wird?

    Es ist eine absolut richtige Forderung, dass Pflegende selbst darüber bestimmen, was gute, professionelle Pflege ist. Das tun sie allerdings bereits jetzt z.B. in zahlreichen Forschungs- und Qualitätsprojekten, in der Lehre und Ausbildung.

    Die Kammern setzen am Verhalten der Pflegenden an. Primär nötig ist allerdings, dass sich die Verhältnisse ändern, unter denen Pflege erbracht wird. Die Rahmenbedingungen müssen geändert werden, damit Pflege mit der Fachlichkeit erbracht werden kann, wie sie die Pflegenden sie z.B. in der Ausbildung gelernt haben. Eine Pflegeberufekammer lenkt von dieser Notwendigkeit nicht nur ab, sondern geht auch vollständig in die falsche Richtung.

    Die Befragung aller Pflegekräfte in Niedersachsen und vor allem in Schleswig-Holstein haben gezeigt, dass diese mit großer Mehrheit eine Kammer mit einer Pflichtmitgliedschaft sowie Pflichtbeiträgen ablehnt und diese als nicht zielführend für die Verbesserung ihrer Situation ansehen.

    Was die Pflege braucht ist eine Stimme in der Politik – Politiker*innen und Pflege beraten gemeinsam, wie die Rahmenbedingungen verändert werden müssen.

    Deshalb bitten wir Sie, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Pflege endlich zu entlasten und aufzuwerten anstatt Energie, Zeit und Geld in die konfliktträchtige Errichtung einer Pflegeberufekammer zu stecken.